Drei Monate sind schon fast geschafft und ich komme mir noch immer vor, als würde ich mich in einer Seifenblase bewegen. Ich bin irgendwie hier, bekomme alles mit, aber doch scheint es mir ab und zu einfach nicht zu stimmen, als ob es eine Art Traum ist. Aber dann wird mir klar, wie weit entfernt (nicht nur von der Distanz) Deutschland und mein früheres Leben doch ist. Lediglich das Internet stellt eine kleine Brücke zwischen diesen zwei Welten her, die unterschiedlicher nicht seien könnten.
Immer mehr spüre ich, wie das Leben und der Alltag hier in Uganda allmählich zu meinem eigenen Alltag und Leben werden.
Wenn ich manchmal daran denke, was ich in Deutschland in dem vergangenen Jahr erlebt habe, stelle ich ungläubig fest, wie schön es gewesen ist, und vor allem, wie gut es uns doch geht. Aber es fehlt mir nicht wirklich.
Nur wenn ich daran denke, wie schön es doch manchmal wäre, in der Schublade ein Schnitzel zu essen um es anschließend mit viel Bier zu betrinken, dreht sich mein Magen um. Denn nach knappen 90 Tagen weiß ich, was ich wirklich vermisse; nämlich (wirklich) gutes Essen. Zwar bin ich hier auf den Geschmack von Bohnen(die es täglich in irgendeiner Variation gibt) und den anderen Gerichten gekommen, allerdings ist es kein wirklicher Ersatz für die ausgewogene Ernährung, die wir in Deutschland genießen. Das heißt, das Essen ist nicht so gesund wie unseres. Es fehlt an Vitaminen und im Allgemeinen ist es auch sehr mächtig. Umso mehr freue ich mich auf ein gutes Stueck Fleisch, wenn ich wieder zurück bin
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Naja, aber sonst bleibt mir absolut kein Anlass mich zu beklagen. Ich bin gesund (gelegentlicher Durchfall gehört zum Alltag) und hatte, bis jetzt, auch kein größeres Heimweh. Außerdem habe ich viele Freunde gefunden, mit denen ich am Wochenende schon was gemacht habe. Zum Beispiel bin ich mit Henry in seinem Studentenwohnheim gewesen und wir sind abends feiern gewesen. Das Nachtleben von Kampala hat wohl echt viel zu bieten, obwohl ich noch nicht viel gesehen habe. Aber letzten Samstag ist im Serena Hotel ein Oktoberfest gewesen – und ich war nicht da
…
Und wenn ich manchmal doch geknickt, schlecht gelaunt oder traurig bin, dauert es nicht lange bis mich meine Familie wieder aufgepeppt hat, durch ihre ganz alltäglichen Gewohnheiten und Lebenseinstellung. Immer wieder berührt es mich sehr, mit den Menschen hier zu leben. Letzten Donnerstag, zum Beispiel, hatte Jita Geburtstag und die ganze Schule hat für sie eine Geburtstagsparty organisiert. Schließlich haben ca. 50 Schüler, die von ihren Eltern Geschenke mit gegeben bekommen hatten( Mangos, Papaya, Eier oder einfach nur einen Umschlag mit etwas Geld), ihr diese übergeben, während der Rest gesungen und getanzt hat. Und in solchen Momenten der puren (Herzens-)Freude wird mir immer wieder Bewusst, dass es eigentlich niemanden und nichts gibt, was sich nicht, für diese Augenblicke, lohnt zu vermissen!
Es gibt viele Momente, die ähnlich sind. Und, obwohl es noch so weit entfernt scheint, weiß ich schon genau, wie schwer es mir fallen wird, mein Umfeld und das Erlebte wieder zu verlassen.
Aber die Zeit wird eh schnell vergehen; ich merke es ja jetzt schon. Ich springe von Wochenende zu Wochenende. Und ab Dezember steht sowieso fast jeden Monat ein dicker Programmpunkt auf dem Plan:
So werde ich wohl Anfang Dezember den Kampala(Halb-)Marathon beschreiten. Mitte Dezember werden wir, einige von den Freiwilligen, den MurchisonFalls-Nationalpark am Lake Albert besuchen. Danach steht Weihnachten vor der Tür!
Im Januar wird mich Viktor, aus Deutschland, für ein paar Wochen besuchen kommen. Mit ihm werde ich dann den Höhepunkt meines Jahres anstreben; den Kilimandscharo
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Im Februar ist Halbzeit – das Midterm-Camp steht an. Wir treffen uns mit den anderen Freiwilligen aus Kenia, vielleicht fahren wir dazu auch nach Kenia.
Im März wird hier an der Schule ein weiteres Workcamp stattfinden, diesmal allerdings mit Freiwilligen aus Europa und Deutschland.
Und schließlich, als letztes größeres Highlight, kommt im April meine Schwester auf einen Besuch vorbei.
Das ist so mein grober Plan – bis jetzt. Wie schon erwähnt, die anderen Freiwilligen sind auch echt super, mit ihnen werde ich sicher auch noch viel unternehmen.
Wie ihr seht, ich bin ganz gut versorgt. Ich versuche einfach alles mit zunehmen, was sich irgendwie anbietet. Und obwohl ich mir manchmal meine Heimreise herbei sehne, so graut mir doch schon ein bisschen vor dem was danach kommt: Studieren…uuh
Der ganze Aufenthalt erscheint mir mehr wie Urlaub und im Moment will ich mir noch gar nicht den Stress vorstellen, der mich im nächsten Herbst erwartet! Naja, das Studentenleben hat ja auch seine Vorteile, es wird ja schließlich nicht um sonst die beste Zeit im Leben genannt
„Wie gut es mir doch geht“, denk ich mir oefter. Vor allem wenn ich bedenke, dass mich der ganze Aufenthalt quasi nichts kostet. Joel, aus der Schweiz, oder Xan, aus Kanada, bezahlen für sechs Monate ca. 6000 Euro!!! Es sind schon tolle Möglichkeiten, die uns geboten werden. Und ich lege jedem, der über ein freiwilliges Jahr nach denkt, ans Herz es zu machen(auch wenn der Wehr/Zivildienst bald abgeschafft wird). Es sind unglaublich tolle Erfahrungen, die man in den anderen Ländern macht. Und selbst, wenn man es nur macht, um zu sehen, wie die Menschen dort leben. Und wenn man bedenkt, dass der Großteil der Weltbevölkerung unter solchen Bedingungen (über-)lebt, gibt es einem eine ganz neue Sicht auf so viele Dinge.
Gut, genug der begeisterten Worte. Genießt erst einmal den Reisebericht zu den Sesseinseln und(!) die Fotos. Ich denke, dass ich damit euch allen einiges an Neid abgewinnen werde
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Sehr bald werdet ihr mehr von mir lesen. Ich will euch meinen Alltag, das Leben und auch das Klima hier etwas genauer beschreiben. Ich hab mich dran gewöhnt, aber ich denke es sollte ganz interessant werden.
Bis dahin, liebe Grüße aus Luwero nach Deutschland
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p.s.: bei der Veröffentlichung des letzten Eintrages habe ich unglaubliche 800 Klicks am ersten Tag registriert…Wahnsinn!!! Bitte weiter so
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Sesse Islands
Als zweites größeres Reiseziel haben wir uns, für das zweite Oktoberwochenende, die Sesseinseln ausgesucht. Ich hatte schon von vielen Einheimischen gehört, dass sie zu den schönsten Plätzen Ugandas gehören sollen. Die Sesseinseln liegen im nordwestlichen Teil des Viktoriasees und sind über zwei Fährverbindungen zu erreichen.
Wir haben uns also am Freitag mit den anderen Freiwilligen in Kampala getroffen und sind zu fünft nach Entebbe gefahren, um von dort mit der Fähre nach Kalangala, die Hauptinsel, zu fahren. Am Hafen haben wir noch mehrere „Mozungos“ getroffen, die alle auf die Insel wollten und ebenfalls auf die Fähre warteten, die täglich gegen 14 Uhr ablegt. Ich war überrascht, dass es sogar eine richtige Autofähre zu seien schien. Kurz später sind wir allerdings aufgeklärt worden, dass die Fähre schon seit zwei Monaten einen Schaden hat und deswegen ein Ersatzboot benutzt wird. Dieser Kutter sah mehr aus wie ein etwas größeres Fischerboot, ist aber doch bequem gewesen.
Nach ca. vier Stunden Fahrt sind wir in Kalangala angekommen und haben uns auf die Suche nach einer Unterkunft gemacht. Wir hatten echt Glück und konnten einen super Schnapper machen; weniger als ein Euro die Nacht in einem „Guesthouse“. An diesem Abend haben wir auch den Fischer gebucht, der uns am nächsten Tag nach Bukasaisland bringen sollte. Denn unsere Reiseführerin Jana hat sich nach Ruhe und Erholung gesehnt und wollte mal weg von den Touristenströmen, die auf der Hauptinsel seien sollten. Ich hab sie im Urwald vermutet, sonst waren sie nirgends zusehen…..;-) Wir haben schließlich einen wunderschönen Sonnenuntergang am weißen Sandstrand erlebt und ließen den Tag mit Bier ausklingen.
Gegen 11 Uhr sind wir mit unserem Fischer, in einer regelrechten Nussschale, in See gestochen, um die vier Stunden entfernte Bukasaisland zu erreichen. Vorher kam noch der Hafenpolizist vorbei und hat sich unsere Namen aufgeschrieben, falls wir mit dem viel zu kleinen Boot kentern und sterben – sicherheitshalber. Da wurde mir wieder klar, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen hier doch sind
Auf der Fahrt zu jener besagten Insel, haben wir die ganze Vegetation richtig kennengelernt. Riesige Urwälder, wahnsinnig viele verschiedene Vogelarten(Seeadler, Graupapagei etc.) und dann noch die Sonne, die uns allen einen fetten Sonnenbrand gebracht hat.
Man muss dazu auch wissen, dass die Sesseinseln aus vielen Inseln bestehen. Als unsere einheimischen (!) Fischer sich schon das dritte Mal nach dem Weg erkundigt hatten, sind wir auch ins Grübeln gekommen. Alle Zweifel waren aber unberechtigt und wir erreichten krebsrot und halbverhungert Bukasaisland.
Die Insel ist von Anfang an faszinierend gewesen. Unglaublich viel Urwald, ein vielleicht 100 m hoher Inselrücken und vereinzelte Grasflächen. Das Ganze wurde gelegentlich durchzogen von den typischen ugandischen roten Wegen. Es ist sehr still gewesen, da es kein einziges Auto auf der Insel gibt und sie auch sonst nur sehr dünn besiedelt ist. Als wir das Gästehaus gefunden hatten, welches einen unglaublichen Blick auf den Viktoriasee und andere Inseln bietet, wurde mir das erste Mal klar, dass es das Paradies vielleicht sogar gibt. Wir alle sind einfach überrumpelt gewesen von der gewaltigen Schönheit der Natur. Es hat auch gar nicht lange gedauert, bis wir uns einig waren, eine Nacht länger zu bleiben.
Seit zwei Monaten ist kein Tourist mehr auf Bukasaisland gewesen. Ich vermute, dass der Hauptgrund für die fehlenden Touristen, der Untergang einer Fähre, die von Kampala zu den Inseln fuhr, ist. Wir haben bei Agnes, der Besitzerin des Gästehauses, Gästebücher gesehen, die gerade in den 90ern sehr viele Einträge haben, von Touristen aus aller Welt. Aber seit dem Untergang der Fähre, die auch an Bukasaisland gehalten hat, bleiben, verständlicherweise, die Touristen aus.
Agnes hat uns über die zwei Tage super bekocht und uns den Aufenthalt erheblich erleichtert, da selber kochen, unter diesen Umständen hier, eher schwierig ist. Wir haben es am nächsten Tag trotzdem versucht und haben uns für den Rückweg einen Haufen Chapaties(eine Art Pfannekuchen) gemacht. Das hat allerdings auch den ganzen Nachmittag gedauert, da wir mit Feuerholz gearbeitet haben und auch noch Wasser abkochen mussten.
Außerdem sind wir zu einem Wasserfall gewandert. Über die schönen roten Schotterwege, durch kleine Dörfer und schließlich den Dschungel. Der Wasserfall ist echt toll gewesen und wahnsinnig erfrischend und nass. Wie schon gesagt, die gesamte Natur ist einfach umwerfend gewesen!!!
Die Abende haben wir auf der Terrasse des Gästehauses verbracht mit Gin und Bier, Sofas und dem Sternenhimmel. Wenn ich zurückdenke, erscheinen mir die zwei Nächte unglaublich. Die Milchstraße zog sich über den ganzen Himmel und auf dem See flackerten die Lichter der Fischerboote…
Aber auch die schönste Zeit hat ein Ende und so fuhren wir am Montag um 7 Uhr morgens mit unserem Fischer zurück nach Kalangala. Von dort aus haben sind wir mit einem Taxi nach Massaka und dann mit dem Bus zurück nach Kampala.
Viel mehr gibt’s nicht zusagen zu diesem Trip. Wir haben den wohl ruhigsten Ort Ugandas besucht und ein super Wochenende gehabt!
ALLE FOTOS:
http://bastiuganda.wordpress.com/2010/10/24/es-ist-schon-verruckt%E2%80%A6/hat-aber-nicht-funktioniert-deshalb-fischerboot/
Hi Basti,
gaaaaaaanz liebe Weihnachtsgrüße aus dem winter-wonderland Oberheiden und viele liebe Wünsche für ein gutes Neues Jahr wünschen dir die Schlimbachs. Wir sind Dank Deines tollen Bolgs immer auf dem Laufenden, sind berührt, erfreut, erstaunt und vieles mehr…..Wir erzählen viel von Dir und unsere guten Gedanken begleiten Dich
Fühl dich herzlich umarmt